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Datenschutz beim E-Rezept: Was passiert mit Ihren Gesundheitsdaten?
Zuletzt aktualisiert: Mai 2026 · Redaktionell geprüft
Mit dem E-Rezept werden Ihre Verordnungen digital gespeichert — in der zentralen Telematik-Infrastruktur (TI). Was bedeutet das für Ihre Daten?
Wir klären die häufigsten Fragen ohne Panikmache, aber auch ohne Beschönigung.
Wo werden E-Rezept-Daten gespeichert?
Die TI ist ein abgesichertes Netzwerk der gematik (Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte mbH) — getragen von Bundesgesundheitsministerium und Spitzenverbänden der Krankenkassen. Server in Deutschland, Verschlüsselung Ende-zu-Ende.
Speicherdauer: 100 Tage in der TI, danach automatische Löschung — falls das Rezept noch nicht eingelöst wurde, müssen Sie sich neu vom Arzt verordnen lassen.
Wer hat Zugriff auf Ihre Daten?
- Sie selbst — per gematik-App mit elektronischer Gesundheitskarte (eGK) + PIN
- Die Arztpraxis, die das Rezept ausgestellt hat
- Die Apotheke, an die Sie das Rezept zuweisen — und nur diese eine
- Krankenkasse — zur Abrechnung, aber nicht für medizinische Beratung
Pharma-Hersteller, Werbe-Plattformen, Datenhändler haben keinen Zugriff. Auch nicht in anonymisierter Form.
Was passiert beim Einlösen in einer Online-Apotheke?
Beim Einlösen übermitteln Sie das Rezept aktiv an EINE Apotheke Ihrer Wahl. Diese sieht dann:
- Wirkstoff, Dosierung, Packungsgröße
- Name + Versicherten-ID (für die Abrechnung)
- Ausstellendes Arztpraxis-Kürzel
Die Diagnose ist NICHT auf dem Rezept und wird auch nicht übermittelt. Die Apotheke sieht also was Sie bekommen — aber nicht warum.
Wie sicher ist die Telematik-Infrastruktur?
Die TI nutzt zertifikatsbasierte Verschlüsselung. Es gab Diskussionen über Sicherheitslücken (z.B. bei einzelnen Konnektoren in Arztpraxen), aber keine bekannten erfolgreichen Angriffe auf die zentralen Daten.
Die größte Schwachstelle in der Praxis: Schlecht gesicherte Endgeräte (Arzt-PC, Patient-Smartphone). Wer seine eGK + PIN sicher verwahrt, hat ein hohes Schutzniveau.
Ihre Rechte als Patient
- Auskunftsrecht: Sie können bei der Krankenkasse alle gespeicherten Rezeptdaten anfordern
- Löschungsrecht: Bereits eingelöste Rezepte können nicht gelöscht werden (Buchführungs-Pflicht), aber nicht eingelöste laufen nach 100 Tagen ab
- Datenportabilität: Übertragung in eine andere Apps/Plattform technisch möglich
Praxis-Tipps für mehr Datenschutz
- App-Auswahl prüfen: Nutzen Sie nur die offizielle gematik-App oder Apps zertifizierter Versandapotheken (DocMorris, Shop Apotheke, etc.). Drittanbieter-Apps meiden.
- PIN sicher verwahren: Nie aufschreiben, nicht teilen — sie ist der Schlüssel zu Ihrer Gesundheitsakte
- Bei Smartphone-Verlust: PIN sofort bei der Krankenkasse neu beantragen
- Bei Apotheken-Wahl: Achten Sie auf das EU-Sicherheitslogo. Details: Geprüfte Anbieter
Häufige Fragen
Sieht der Apotheker meine Diagnose? +
Nein. Auf dem Rezept steht nur das Medikament — nicht die Diagnose. Selbst bei sehr spezifischen Wirkstoffen ist der Schluss auf die Erkrankung Spekulation.
Werden meine Rezeptdaten an Pharma-Konzerne verkauft? +
Nein. Die TI ist eine geschlossene Infrastruktur. Auch anonymisiertes Sharing mit Pharma ist nicht vorgesehen und nicht erlaubt.
Was, wenn ich die PIN für die eGK nicht will? +
Dann nutzen Sie das E-Rezept per Papier-QR-Code (vom Arzt) oder direkt in der Vor-Ort-Apotheke per eGK ohne PIN-Eingabe. Etwas umständlicher, aber funktioniert.
Wie kann ich meine gespeicherten Rezeptdaten einsehen? +
Über die gematik-App (Anmeldung mit eGK + PIN) oder per Auskunftsersuchen bei der Krankenkasse. Beide Wege sind kostenfrei.